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„Wann kommt denn die Digitalisierung in der Energiewirtschaft? Was glauben Sie?“ Eine Frage die vor kurzem auf einer Tagung aus dem Auditorium gestellt wurde. Leider spiegelt diese Frage eine Haltung wider, die noch sehr viele Energieversorger einnehmen. Erst mal gucken, scheint die Devise. Schließlich machen wir mit der Commodity immer noch mehr Marge als mit allem anderen. Für mich eine gefährliche Haltung.

Digitalisierung geschieht nicht digital

Ach, komisch, gestern war sie noch nicht da – diese Digitalisierung! Liest sich komisch, oder? Weil es so nicht passieren wird. In der Branche wird gerne mit modischen Begriffen argumentiert. (Zugegeben, es sind vor allem die Berater in dieser Branche, die das tun.) Einer dieser Begriffe im Zusammenhang mit der Digitalisierung ist der Begriff der Disruption. Abweichend von der Bedeutung dieses Begriffs in der Innovationslehre, wird mit ihm in der Praxis häufig ein abrupter Wandel im Markt bezeichnet. Und so etwas abruptes muss ja auch spürbar, sichtbar sein, oder? Nicht zwingend! Denn gerade der Einzug digitaler Techniken geschieht schon über Jahre. In unserer Wahrnehmung eher schleichend. Doch wenn man sich anschaut, wie z.B. das Smart Phone über die wenigen Jahre seiner Existenz einen signifikanten Einfluss auf unser Leben hat, kann man schon von einem Umbruch sprechen.

Man überschätzt was in einem Jahr geschieht und unterschätzt was in 10 Jahren geschieht. Diese Lebensweisheit beschreibt diese Situation eigentlich ganz gut. So stellt kein Energieversorger mehr eine Rechnung ohne Systemunterstützung. An- und Abmeldeprozesse laufen voll automatisch über das Internet. Verträge können online gebucht werden – immer mehr sogar über das Smart Phone. Und bei der E-Mobility setzen wir bereits RFID-Chips für das Freischalten der Ladesäulen ein. Es sind also bereits eine Menge Prozesse digitalisiert, bei denen man es sich vor 10 Jahren sicher so nicht vorgestellt hat. Sicher – in anderen Branchen mag diese Entwicklung schon deutlich weiter fortgeschritten sein. Und das ist für die Branche gut, denn man kann von diesen anderen Branchen lernen. Doch eines bedeutet es sicher nicht: Man darf nicht darauf warten bis Digitalisierung kommt!

Digitalisierung muss geholt werden

Wann kommt die Digitalisierung? Wann geschieht die Transformation der Branche? Diese Fragen jagen mir als Managementberater immer einen kleinen Schrecken ein. Jetzt! Sie ist da! Hier! Heute! Aber eines ist dabei ganz klar: Sie passiert nicht einfach. Wir müssen etwas daraus machen. Wir müssen sie nutzen. Denn ansonsten passiert sie wirklich – aber nur bei den anderen. Erst kürzlich hat die Universität Kiel eine Studie veröffentlicht, die der Energiewirtschaft bescheinigt, dass Innovationstätigkeiten gegenüber dem Tagesgeschäft nur eine geringe Priorität haben (vgl. Studie). So ist auch der Innovationsgrad der Innovationsprojekte auf einem niedrigen Niveau. Dabei muss es nun vorrangiges Ziel sein, die Geschäftsmodelle der Zukunft zu identifizieren. Denn die Bedrohungen, die sich aus den Digitalisierungsideen anderer ergeben, sind bereits jetzt manifest. Nehmen wir nur Amazons Alexa. Sobald sich Online-Vergleichsportale dieser Plattform bedienen, wird der Kunde wechseln können, wann immer es ihm einfällt. Und sei es beim Staubwischen.

Die Branche wäre also gut damit beraten, die aktuelle Margensituation zu nutzen, um sich der Digitalisierung zu bedienen. Und dabei kommt es eben nicht nur darauf an, Innovationen für Imageprojekte oder zur Steigerung der Prozesseffizienz zu finden (vgl. ebenfalls Studie Universität Kiel). Vielmehr wird es darauf ankommen, die Möglichkeiten der Digitalisierung zu nutzen, um neue Geschäftsfelder zu erschließen. Oder auch bestehende Geschäftsfelder so umzugestalten, dass sich echte Wettbewerbsvorteile und neue Einnahmequellen ergeben. Dabei werden die Energieversorger sehr individuell vorgehen müssen. Denn Ressourcen und Know-How sind eben nicht identisch. Das wird viel Mut erfordern – und natürlich auch viel Überzeugungsarbeit in Richtung Aufsichtsrat.

Aber wenn Sie wirklich warten, bis die Digitalisierung „da ist“, wird es zu spät sein. Nutzen Sie also die noch aktuell komfortable Position und rüsten Sie sich – mithilfe der Digitalisierung – für die Zukunft.

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