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Können wir Deutschen kein Projektmanagement? Zumindest scheinen wir ganz offensichtlich einige Schwierigkeiten damit zu haben, wenn man sich mal deutsche Bauprojekte anschaut. Doch woran liegt das? Die Frage wurde einem amerikanischen Bauingenieur gestellt. Die Antwort fand ich überraschend: Er attestierte den deutschen Projektleitern eine miserable Risikokultur. Und das trifft auch auf unsere Branche zu.

Projektmanagement mit grünen Ampeln

Wir kennen es alle: Das übliche Template für unseren Projektstatus mit dem Ampel-Symbol. Rot, gelb, grün. Eine simple Visualisierung des Projektstatus und so eingängig, weil die Symbolik jedem aus dem Alltag bekannt ist. Bei Grün herrscht freie Fahrt. Bei Gelb muss man aufpassen. Im allgemeinen heißt das, in die Fahrt einzugreifen, zu bremsen. (Gut, für den ein oder anderen mag es auch bedeuten, nochmal richtig Gas zu geben). Bei Rot geht es nicht weiter.

Doch wer bleibt schon gerne stehen. Erst recht nicht, wenn es um das Geschäft geht. Da zählt nur der Erfolg. Scheitern ist keine Option. Und dabei geht es nicht nur um das Erreichen des Zieles. Nein! Es geht auch darum, dass man es auf dem Weg erreicht, der im Plan steht. Anders lässt es sich auch nicht erklären, warum mal ein Bereichsleiter eine viertel Stunde auf mich eingeschrien und mit der Hand auf dem Tisch geschlagen hat, weil ich mich geweigert habe, eine rote Ampel in eine grüne zu ändern. (Wir sind auch heute noch Freunde.) Es war egal, dass wir weder den Meilenstein, noch das Ergebnis, noch das Budget einhalten konnten. Es ging nur darum, den Erfolg zu verkünden. Quasi Projektmanagement by fake news.

Dabei führt genau diese Art des Projektmanagements zum Scheitern. Nicht nur, dass man sich die Möglichkeit nimmt, Gegenmaßnahmen einzuleiten. Man beraubt sich auch der Möglichkeit, das Vorhaben in seinen Grundsätzen zu prüfen. Wurden bei der Planung falsche Prämissen zugrunde gelegt? Gibt es Entwicklungen im Markt, im Unternehmen, die das Vorhaben gefährden und ein Umdenken erfordern? Müssen andere Kompetenzen im Projektteam verankert werden?

Und noch ein schädlicher Effekt setzt ein. Sie signalisieren Ihrem Team, dass Intransparenz akzeptiert wird – zumindest mehr als ein Scheitern. Das wird dazu führen, dass sich das Team auch genauso verhält. Somit werden Sie von möglichen Hindernissen – wenn überhaupt – ziemlich spät erfahren. Vielleicht sogar erst, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist.

Projektmanagement mit der Möglichkeit zu Handeln

Dabei lässt sich selbst der unangenehme Moment vermeiden, eine gelbe oder rote Ampel zu berichten. Nämlich dann, wenn man von vornherein Risiken mit eingeplant werden. Das bedeutet, dass ein Scheitern von vornherein mit „geplant“ wird. Scheitern wird quasi enttabuisiert.

Und auch wenn es absurd klingt: Durch dieses Enttabuisieren des Scheiterns wird die Wahrscheinlichkeit des selbigen kleiner. Sie beschäftigen sich nämlich von Anfang an mit den Dingen, die zum Scheitern führen könnten. Das führt dazu, dass Sie sich bereits Gegenmaßnahmen überlegen können, um das Scheitern abzuwenden. Und zwar lange bevor ein solches Szenario eintritt. Das bedeutet auch, dass Sie das Eintreten von Risiken schneller bemerken werden. So betreiben Sie nicht nur Projektmanagement sondern auch Risikomanagement. Sie reagieren nicht nur auf einen unerwünschten Projektverlauf, sondern Sie wahren sich die Möglichkeit weiter zu Handeln.

Auch auf das Team hat dies einen positiven Einfluss. Ihm wird der Druck genommen. Und es wird motiviert höchst transparent gegenüber Projektteam und -führung zu agieren. Alles Elemente, die Sicherheit geben und die Qualität der Arbeitsergebnisse erhöhen. Und somit auch die Qualität Ihres Projektemanagements.

Denken Sie also häufiger ans Scheitern, um erfolgreich zu sein!

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