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Die Kollegen von McKinsey haben einen Report über die 10 Management Trends der nächsten 50 Jahre veröffentlicht (10 Management-Trends). Dabei zielen sie sicher eher auf das Management internationaler Konzerne ab, weswegen die wenigsten Trends auf das Geschäft nationaler Energieversorger übertragbar ist. Allerdings hat sehe ich einen Trend auch für die Energiewirtschaft als zwingend an: „Innovation dank Selbstzerstörung“.

Während der ein oder andere jetzt sicher dabei an Geschäftsaufgabe und Auflösung des Unternehmens denkt, kann ich direkt beruhigen. Das ist nicht damit gemeint. Vielmehr geht es darum, die Trägheit aus dem eigenen Unternehmen zu verbannen. Erzielt wird das ganze durch permanentes Hinterfragen der eigenen Ideen und Produkte. Denn wer das tut, entwickelt auch Innovationen, mit denen er dem Wettbewerb voraus sein kann.

Dabei geht es nicht um ein destruktives Hinterfragen nach dem Motto „Ist doch eh alles Quatsch. Nach mir die Sinnflut!“ Vielmehr geht es darum zu fragen „Warum machen wir das eigentlich so? Geht das nicht anders und besser?“. Vielleicht sogar „Sollten wir das nicht bleiben lassen?“ Hierzu ein Beispiel: In den Medien wird, wenn es um den örtlichen Energieversorger geht, immer wieder über „Abzocke“, unfaire Verträge oder ähnliches geschrieben. Viele Vertriebsleiter sagen mir, dass sie das nicht richtig finden, dass man da etwas tun müsste. Ich kenne aber nur wenige, die hierfür die Art der eigenen Verträge hinterfragen. So stellt sich mir die Frage: „Müssen Verträge immer mit Kleingedrucktem versehen werden? Kann man Verträge nicht so gestalten, dass sie eben nicht unfair erscheinen?“

So lassen sich viele Dinge im Marketing- und Vertrieb des Energieversorgers hinterfragen. Dieser Ansatz geht damit sogar noch ein Stück weiter als der Ansatz der kontinuierlichen Verbesserung. Denn es kann ebenso ein Ergebnis sein, dass bestimmte Dinge nicht nur besser umsetzbar sind, sondern besser ganz bleiben gelassen werden sollten. Das setzt wertvolle Ressourcen für andere Dinge frei, die wiederum zum Schaffen neuer Produkte und Ideen eingesetzt werden können. Denn aus vielen Gesprächen mit Führungskräften und Mitarbeitern weiß ich, dass – zumindest gefühlt – mangelnde Zeit ein Hauptargument für fehlende Innovation ist.

Doch wenn das so ein einfach ist, warum machen es – bisher – nur so wenige? Weil dieser Ansatz höchst unbequem ist! Zum einen bricht er mit der Kontinuität des Tagesgeschäfts, was sicher viele Mitarbeiter von Energieversorgern gerade schätzen. Denn diese Kontinuität bringt Sicherheit: Man kann seinen Bereich überblicken, man weiß genau was zu tun ist, es gibt wenig Überraschungen. Soll dieser Weg der kreativen Selbstzerstörung also gegangen werden, müssen Führungskräfte ihre Mitarbeiter behutsam auf diese Reise mitnehmen. Aktives Change Management ist dabei gefragt.

Zum anderen bedingt dieser Ansatz eine offene Fehlerkultur des Unternehmens. Denn wenn eine Führungskraft die Dinge in ihrem Verantwortungsbereich hinterfragt, könnte sie feststellt, dass sich diese Dinge auch deutlich besser machen lassen bzw. sinnlos Ressourcen verschwendet haben. Das darf der Führungskraft nicht negativ ausgelegt werden. Vielmehr muss ein solches Verhalten belohnt werden. Hinzu kommt, dass das Unternehmen eine gewisse Risikobereitschaft benötigt, um bisher unerprobte Lösungen im Markt zu etablieren. Doch wenn die Energieversorger nicht zu diesen Schritten bereit sind, so besteht die Gefahr, dass es für die altbekannten Ansätze in Zukunft überhaupt keinen Markt mehr gibt.

 

 

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